Gartenträume

Ich will ein Garten sein, an dessen Bronnen 
die vielen Träume neue Blumen brächen, 
die einen abgesondert und versonnen,
und die geeint in schweigsamen Gesprächen. 

Und wo sie schreiten, über ihren Häupten 
will ich mit Worten wie mit Wipfeln rauschen, 
und wo sie ruhen, will ich den Betäubten 
mit meinem Schweigen in den Schlummer lauschen. 

Rainer Maria Rilke, aus Frühe Gedichte

Winterwald

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke, aus Advent